Der Nutzer im Mittelpunkt der Softwareentwicklung

Im Mittelpunkt dieses Blogbeitrags steht die Integration von User Centered Design (UCD) in unseren agilen Softwareentwicklungsprozess. Dabei wird vor allem auf die Artefakte und Methoden eingegangen, welche dafür sorgen, dass die Software auf den tatsächlichen Nutzer maßgeschneidert wird.

Die Wurzel schlechter Usability

Warum benutzt niemand die neue Software? Wenn diese Frage aufkommt, ist es meist schon viel zu spät. Die Entwicklung ist bereits abgeschlossen und die Nutzer bleiben aus bzw. halten an der alten Lösung fest. Dann ist es wahrscheinlich wieder einmal passiert, dass bei der Aufnahme der Anforderungen Annahmen getroffen wurden, welche an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer vorbei gehen. Dies ist ein in der Praxis leider häufig vorkommendes Phänomen, welches sich in schlechter Benutzbarkeit und niedriger Akzeptanz der finalen Software ausdrückt. Ein Lösungsansatz hierfür bietet das User Centered Design (UCD). Dieses stellt die Aufgaben, Eigenschaften und Ziele der zukünftigen Nutzergruppen in den Mittelpunkt des Softwareentwicklungsprozesses, um eine hohe Usability des Endproduktes zu gewährleisten.

User Centered Design bei der Saxonia Systems AG

Durch unser agiles Vorgehensmodell sind wir in der Lage, schnell auf Änderungen und neue Anforderungen zu reagieren. Frühes Feedback von zukünftigen Nutzern ist essenziell für eine hohe Benutzbarkeit. Durch Artefakte und Methoden des Usability Engineerings wird unser an Scrum angelehntes Vorgehen so erweitert, dass der Nutzer von Anfang an regelmäßig eingebunden wird.

Abbildung 1: UCD-Artefakte unseres agilen Vorgehensmodells

Bereits zu Beginn des Projekts werden UCD-Elemente innerhalb der Product Vision verankert. Neben klassischen Bestandteilen, wie beispielsweise dem Projektziel oder der Systemgrenze, sind die Beschreibung der Nutzergruppen und des Nutzungskontexts sinnvolle UCD-Ergänzungen.

Im Product Backlog gibt es neben User Stories und technischen Spikes explizit Platz für Design Spikes, welche es dem Team erlauben, sich intensiv mit komplexen Usability-Themen zu befassen. Hierbei werden beispielsweise verschiedene Prototypen als Entscheidungsgrundlage entworfen oder Nutzerstudien konzipiert und durchgeführt.

In den beiden Scrum-Artefakten Definition of Ready und Definition of Done sind zusätzliche Qualitätsschranken integriert, um zu garantieren, dass die Software die zukünftigen Nutzungsanforderungen erfüllt. Durch vorgelagertes Prototyping ermitteln unsere Usability-Experten schon vor der Umsetzung, ob die Anforderungen zu den Bedürfnissen der Nutzer passen.

Bevor User Stories für ihre Umsetzung bereit sind, werden sie mit Skizzen, Mockups oder Designs (als Output aus dem Prototyp) erweitert. Diese verdeutlichen die zu implementierenden Funktionen für das Entwicklungsteam visuell. Sofern sie angewendet werden können, sind auch Prozessmodelle enthalten, um komplexe Abläufe zu veranschaulichen.

User Stories gelten aus UCD-Sicht als abgeschlossen, wenn die Usability-Prinzipien eingehalten wurden. Dies kann durch eine Experten-Evaluation überprüft werden. Dabei untersucht der Usability Engineer die neue Funktion heuristisch auf die Einhaltung von Richtlinien. Zusätzlich wird geprüft, ob der Styleguide eingehalten wurde und so die Konsistenz der Anwendung sichergestellt ist.

Zur Ablage von Usability-relevantem Hintergrundwissen empfiehlt sich ein zentraler Sammelort (Project Knowledge Base), z. B. in Form eines Team-Wikis. Somit kann sich das Team jederzeit über das ermittelte Nutzerfeedback und den aktuellen Stand aus UCD-Sicht informieren. Empfehlenswerte Inhalte sind:

  • Informationsarchitektur
  • Domänenmodell
  • Systemdokumentation
  • Studien- und Testergebnisse, z. B. Nutzerstudien und CUI-Tracking
  • Personas

Wie in den obigen Abschnitten deutlich wird, beziehen wir den Nutzer an zahlreichen Stellen bei der Entwicklung von Individualsoftware ein. Unserer Erfahrung nach ist dies für eine hohe Nutzbarkeit und die Akzeptanz des Endprodukts essenziell. Durch das frühzeitige Einholen von Nutzerfeedback mit agilen und leichtgewichtigen Methoden können Sie die anfängliche Frage „Warum benutzt niemand die neue Software?“ aus ihrem Wortschatz streichen, denn der Nutzer ist der Schlüssel zum Erfolg.

Erik Schiller ist Wirtschaftsinformatiker (M.Sc.) und arbeitet als Business Analyst für die Saxonia Systems AG. Als fachlichen Schwerpunkt beschäftigt er sich mit der Usability und User Experience in der Softwareentwicklung. Darüber hinaus ist er in verschiedenen Projekten der Energiewirtschaft tätig und hat dabei stets ein offenes Ohr für den Nutzer.

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